CHEF DEINER EMOTIONEN - MEISTER IN DEINEM LEBEN
Der Tag ist erledigt, die wichtigsten Mails sind beantwortet, und du sitzt noch am Schreibtisch, obwohl es nichts mehr zu tun gibt. Heute hat dich jemand gefragt, was du dir eigentlich für die nächsten Jahre wünschst. Für Kundschaft und Team hättest du sofort eine Antwort gehabt, für dich selbst ist dir keine eingefallen. Wenn dir dieser Moment bekannt vorkommt, hilft dir dieser Artikel, ihn einzuordnen. Du erfährst, woran du den Zustand erkennst und warum längeres Nachdenken selten eine Antwort bringt.
Nicht zu wissen, was man will, ist ein Zustand und keine Schwäche. Oft haben die eigenen Wünsche neben den täglichen Anforderungen kaum noch Platz, oder es hat sich verändert, was dir wichtig ist.
Der Kern ist eine Verwechslung: „Ich weiß, was von mir erwartet wird“ fühlt sich an wie „Ich weiß, was ich will“, obwohl es zwei verschiedene Dinge sind.
Typische Zeichen sind vertagte Entscheidungen, Abende, an denen der Kopf weiterarbeitet, und Erfolge, die sich kaum noch nach etwas anfühlen.
Unter Druck wird Nachdenken leicht zum Grübeln: Du gehst dieselben Möglichkeiten durch, ohne einer Entscheidung näherzukommen.
Die Antwort auf die Frage, was du willst, muss nicht sofort vollständig sein. Es reicht, wieder unterscheiden zu können.
Nicht zu wissen, was man will, kann bedeuten, dass die eigenen Wünsche hinter den täglichen Anforderungen kaum noch Platz haben. Vielleicht hat sich auch verändert, was dir wichtig ist, und du hast dafür noch keine Worte gefunden. Wer ein Unternehmen führt, beantwortet den ganzen Tag Fragen wie diese: Was braucht die Kundschaft, und was muss bis Freitag fertig sein? Darin wirst du mit den Jahren sehr gut.
Genau darin liegt die Verwechslung. „Ich weiß, was von mir erwartet wird“ fühlt sich nach Klarheit an. Du triffst täglich Entscheidungen, du hast einen Plan, du weißt, was als Nächstes kommt. Mit der Frage „Was will ich selbst?“ hat das aber wenig zu tun. Die erste Frage richtet sich nach außen, die zweite nach innen, und wer die zweite lange nicht mehr gestellt hat, findet darauf zunächst keine Antwort.
Merke: Wenn dir auf die Frage nach deinen eigenen Wünschen nichts einfällt, heißt das selten, dass du keine hast. Manchmal sind sie hinter den Anforderungen verschwunden, manchmal haben sie sich verändert und brauchen erst neue Worte.
Du erkennst es meistens zuerst im Alltag, lange bevor du es in Worte fassen kannst. Von außen läuft alles, und innen fühlt es sich flach oder leer an. Diese Situationen beschreiben Menschen in Umbruchphasen immer wieder:
Eine Entscheidung, die dich persönlich betrifft, schiebst du seit Wochen vor dir her, während du berufliche Entscheidungen in Minuten triffst.
Abends liegt der Betrieb mit dir im Bett. Der Kopf geht Gespräche durch, die längst vorbei sind.
Ein Ziel, auf das du lange hingearbeitet hast, ist erreicht, und die Freude darüber hält kaum einen Tag. Mehr dazu, wie sich eine Umbruchphase im Alltag zeigen kann.
Auf die Frage „Und was willst du?“ antwortest du mit dem, was gerade gebraucht wird.
Freie Zeit fühlt sich unruhig an. Am Wochenende greifst du zum Telefon, ohne dass etwas Dringendes anliegt.
Ein einzelnes Zeichen sagt wenig. Wenn mehrere über Wochen zusammenkommen, lohnt es sich hinzuschauen. Hält eine innere Leere lange an oder kommen Niedergeschlagenheit und Schlafprobleme dazu, sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Menschen mit viel Verantwortung haben über Jahre gelernt, zuerst zu liefern. Wer einen Betrieb führt oder als Solo-Selbstständige(r) alles allein stemmt, stellt die eigenen Wünsche zurück, weil das kurzfristig funktioniert. Das ist eine Leistung. Auf Dauer verschiebt sich dabei aber etwas: Die Erwartungen von außen werden zum Maßstab, und das eigene Wollen meldet sich immer seltener.
Dazu kommt der Druck, unter dem viele dieser Tage ablaufen. Wer lange so arbeitet, behandelt vieles wie einen Alarm, die Mail vom wichtigsten Kunden ebenso wie eine offene Rechnung. Dann arbeitest du ab, was ansteht, und für die ruhige Frage, was du selbst willst, bleibt wenig Raum.
Manchmal liegt es auch an etwas anderem: Mit den Jahren hat sich verschoben, was dir wichtig ist, und die alten Ziele passen nicht mehr ganz. Das Neue hat aber noch keinen Namen.
Warum solltest du deine Emotionen kontrollieren?
Erwartungen von außen sind dabei nichts Schlechtes, sie gehören zu einem Unternehmen. Schwierig wird es erst, wenn du sie nicht mehr von deinem eigenen Wollen unterscheiden kannst und beides für dasselbe hältst.
Wenn du unter Druck immer dieselben Möglichkeiten durchgehst, kann Nachdenken zum Grübeln werden. Du beschäftigst dich weiter mit der Frage, ohne einer Entscheidung näherzukommen. Du setzt dich hin, nimmst dir vor, endlich Klarheit zu bekommen, und am Ende steht eine Liste mit Dingen, die du tun solltest. Was du willst, steht nicht darauf.
Viele erleben das als Blockade und machen sich Vorwürfe. Das eigene Wollen lässt sich aber selten allein durch Abwägen finden. Es zeigt sich eher in kleinen Momenten, in denen du merkst, dass etwas für dich stimmt oder eben nicht stimmt. Wenn du vor allem unter Druck reagierst und hinterher grübelst, lies auch, wie du deine Reaktionen bewusster steuern kannst.
Zwei Annahmen halten dich dabei besonders fest. Die erste lautet: „Ich muss erst wissen, wohin es geht, bevor ich etwas verändere.“ In der Praxis wird die Richtung oft erst deutlich, wenn du dich bewegst. Die zweite lautet: „Was ich will, muss für alle gut sein.“ Was du willst, darf zuerst einfach deins sein. Wie es mit den anderen zusammenpasst, ist der zweite Schritt.
Ich arbeite seit über 40 Jahren mit Menschen, die Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen, seit 1998 als Selbstständige. Heute begleite ich vor allem Menschen, die nach außen weiter funktionieren, während ihnen innen die Orientierung fehlt. Meine Haltung dazu ist klar: Dauerndes Funktionieren ist eine Leistung, aber es ist kein Lebensplan.
Ich kenne auch den Moment, in dem die bisherige Ordnung nicht mehr trägt. 2001 ist mein Geschäftspartner in die Insolvenz gegangen, und ich habe neu angefangen. Solche Einschnitte zwingen zu der Frage, was man selbst will. Bei den meisten Menschen, die ich begleite, kommt sie leiser, als schleichendes Gefühl, dass etwas fehlt, obwohl alles läuft.
Mein Leitsatz lautet: Mein Leben ist keine Generalprobe. Für mich heißt er, dass die Frage nach dem eigenen Wollen nicht auf später wartet, auf die Zeit, wenn die Firma läuft oder endlich Ruhe einkehrt.
Wenn du nichts tust, entscheiden andere oder die Umstände für dich, meistens in kleinen Schritten und ohne großes Aufsehen. Die Frage, was du willst, verschwindet nicht, wenn du sie vertagst. Sie wird nur leiser, und der Alltag füllt den Platz.
Im Alltag sieht das so aus: Der Kalender wird von den Anfragen anderer gefüllt, weil du keinen eigenen Maßstab hast, nach dem du Nein sagen könntest. Gespräche, die dir wichtig wären, verschiebst du auf ruhigere Zeiten, die nicht kommen. Abende gehören weiter dem Betrieb, auch wenn du längst zu Hause bist. Und Erfolge, für die du viel gegeben hast, fühlen sich weiter flach an, weil sie nicht zu dem passen, was du selbst wolltest.
Druck oder schnelle Entscheidungen braucht es deshalb nicht. Die Frage verdient aber, dass du sie ernst nimmst. Du steuerst, oder du wirst gesteuert, und die Wahl beginnt damit, dass du wieder unterscheidest, was von dir erwartet wird und was du willst.
Ja, es geht vielen Menschen so, besonders nach Jahren mit viel Verantwortung. Es ist ein Zustand, der sich verändern lässt, und kein Urteil über dich.
Eine einzelne Erklärung gibt es dafür nicht. Manchmal haben die eigenen Wünsche neben den täglichen Anforderungen kaum noch Platz, manchmal hat sich verändert, was dir wichtig ist. Eine Diagnose ist das nicht. Wenn du dir Sorgen um deine Gesundheit machst, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Trenn zuerst, ob dich die Arbeit selbst nicht mehr erfüllt oder die Art, wie du sie gerade machst. Oft ist es das Zweite, und dann musst du nicht alles infrage stellen.
Die Frage betrifft zuerst dich selbst. Beziehungen spiegeln den Zustand oft, weil dort auffällt, wenn du nicht mehr sagen kannst, was du dir wünschst. Wenn du merkst, dass du deine Wünsche vor allem nach einer anderen Person ausrichtest, findest du mehr dazu im Artikel Emotionale Abhängigkeit lösen. Eine Paarberatung ersetzt dieser Artikel nicht, und meine Begleitung ist auch keine.
Selten, wenn du unter Druck immer dieselben Möglichkeiten durchgehst. Dann wird Nachdenken zum Grübeln, und du kommst einer Entscheidung nicht näher. Hilfreicher ist es, wieder zu bemerken, in welchen Momenten etwas für dich stimmt.
Wenn du für alles eine Antwort hast, außer für dich selbst, haben deine eigenen Wünsche neben den täglichen Anforderungen vielleicht kaum noch Platz. Vielleicht hat sich auch verändert, was dir wichtig ist, und du suchst noch nach Worten dafür. Für den Anfang brauchst du keine große Lebensentscheidung. Es hilft, wieder zu unterscheiden, was von dir erwartet wird und was du selbst willst.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie ich Menschen bei dieser Frage begleite, findest du hier Informationen zu meiner Arbeit.
Mit KI-Unterstützung erstellt, von Sabine Maria Schachner geprüft.
Über die Autorin

Sabine Maria Schachner
arbeitet seit über 40 Jahren mit Menschen. Als Mentorin begleitet sie heute Unternehmer und Selbstständige in Umbruchphasen. Sie lebt auf Rhodos und in Österreich.